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Tropische Seerosen bei uns?
Tropische Seerosen sind in Mitteleuropa am ehesten in Botanischen Gärten zu finden. Dort werden sie in geheizten Becken in Glashäusern gepflegt. Meistens ist die riesige Victoria amazonica aus Südamerika zu sehen, deren Blätter so groß und kräftig sind, dass sie ein kleines Kind tragen können. Daneben gibt es noch einige blaue oder violette Sorten, die wesentlich kleiner sind. Das alles macht den Eindruck, als würden tropische Seerosen nur mit großem technischen Aufwand und viel Platz kultiviert werden können.
Der Eindruck täuscht. In den USA werden jeden Sommer im ganzen Land tropische Seerosen erfolgreich in Gartenteichen gehalten, so hoch sind ihre Temperaturansprüche gar nicht. Natürlich haben wir ein anderes Klima. Amerikanische Sommer sind durch das ausgeprägte Kontinentalklima wesentlich stabiler als unsere Sommer, bei denen sich Regenphasen und Sonnenphasen abwechseln. Bei uns hängt es sehr von der Region und von der Witterung ab ob die tropischen Seerosen ohne zusätzlichen Aufwand im Freiland blühen. In Weinbaugebieten klappt es fast immer, ebenso in den sommertrockenen Regionen in Ostdeutschland. In den anderen Gegenden muss man entweder Glück mit dem Wetter haben oder etwas nachhelfen (davon später mehr). Ganz sicher klappt es aber überall in einem Wintergarten oder einem simplen Tomatengewächshaus. Ein Wintergarten mit einem kleinen gemauerten Becken für tropische Seerosen ist ein absolutes Schaustück. Der Aufwand an Platz und Geld hält sich in Grenzen. Eine Fläche von zwei bis drei Quadratmetern reicht völlig aus, das Becken muss sehr flach sein (ca. 30 cm) und wird am besten oberirdisch gemauert und damit mit einer Teichfolie ausgelegt. Den Abschluss bildet eine Lage Ziegel über der Folie, so entsteht zugleich ein attraktiver Sitzplatz.
Mit einem Folientomatenhaus haben auch wir bei den tropischen Seerosen begonnen. Inzwischen pflegen wir sie in zwei großen Becken in einem großen Foliengewächshaus. Weder Gewächshaus noch die Wasserbecken werden beheizt, und dennoch blühen unsere Seerosen von Juli bis Ende Oktober! Einzelne Blüten öffnen sich sogar noch später.
Seerosen mit einem Unterschied ....
Tropische Seerosen haben einige Besonderheiten, die sie von den winterharten Sorten unterscheiden. Da wäre zunächst einmal die Farbe. Nur bei den tropischen Seerosen kommen blaue und violette Farbtöne vor, das macht sie besonders begehrenswert. Dazu kommt ihre Wuchsform: winterharte Seerosen lassen ihre Blüten meistens auf der Wasseroberfläche schwimmen, tropische halten ihre Blüten einige Zentimeter über die Oberfläche empor. Das sieht sehr edel aus und erinnert ein bisschen an die Lotosblumen. Außerdem blühen tropische Seerosen in der Regel reicher als es die winterharten tun. Bei manchen Arten gibt es so viele Blüten wie die Pflanze Blätter bildet. Und als letzter Bonus tritt bei manchen Sorten Viviparie auf.
Viviparie
Klingt ziemlich unangenehm, oder? Keine Sorge, das ist eine überaus nette Eigenschaft mancher Seerosen. Wörtlich bedeutet der Begriff ‘Lebendgebärung’. Einige Wildformen tropischer Seerosen produzieren auf ihren Schwimmblättern kleine Tochterpflanzen, man könnte sie nicht ganz korrekt auch als Ableger bezeichnen. Wenn sich das Blatt auflöst - was es nach einigen Wochen sowieso tut - macht sich das Seerosenbaby auf die Reise und schwimmt davon um sich irgendwo anders zu verankern und eine neue Seerosenkolonie zu bilden. Manchmal beginnen die jungen Pflanzen aber schon auf der Mutterpflanze zu blühen, das sieht dann besonders hübsch aus.
Diese Eigenart wurde von den Wildformen auch an manche Hybriden weitervererbt (das sind dann meistens blaue Sorten), und für Sie stellt es eine simple Möglichkeit dar Ihre tropische Seerose zu vermehren. Dazu müssen Sie lediglich das Pflanzenbaby in einem Topf mit lehmiger Erde weiterkultivieren, nachdem sich sein Mutterblatt aufgelöst hat. Oder Sie schneiden das intakte Blatt ab und verankern dieses mitsamt der kleinen Seerose darauf in einem eigenen Topf. Die Pflanzenbabys lassen sich in jeder Phase ihrer Entwicklung problemlos von der Mutterpflanze trennen. In ganz wenigen Fällen tritt Viviparie auch bei winterharten Seerosen auf, aber dort entspringt die neue Pflanze einer verblühten Knospe.
Tagblüher und Nachtblüher
Die allermeisten tropischen Seerosen blühen am Tag, ganz so wie wir das von den winterharten Seerosen gewohnt sind. Einige wenige haben sich aber auf das Blühen während der Nacht verlegt. Aber warum sollten Sie sich eine Pflanze anschaffen, die nachts blüht?
Also erstens ist das mit ‘nachtblühend’ nicht so wörtlich zu nehmen. Die Blüten öffnen sich abends in der Dämmerung und schließen sich am Vormittag des folgenden Tages.
Zweitens werden auch Sie tagsüber arbeiten müssen. Wenn Sie am Spätnachmittag von der Arbeit nach Hause kommen, haben sich die allermeisten tagblühenden Seerosen – egal ob winterhart oder tropisch - bereits geschlossen. Die sehen Sie in der Regel also nur am Wochenende blühen. Ein paar Stunden später während des Feierabends beginnen aber die nachtblühenden Seerosen sich zu öffnen und sie werden auch zum Frühstück am folgenden Vormittag noch blühen. Werktagsseerosen mit einem Sinn fürs richtige Timing.
Drittens ist es einfach lustig, wenn sich die ganze Familie in der Dämmerung mit der Taschenlampe versammelt um zuzuschauen, wie die Seerosen anfangen zu blühen.
Wieviel Platz braucht eine tropische Seerose?
Die meisten tropischen Seerosen sind in der Lage sich in der Größe an ihr Pflanzgefäß anzupassen. Auf einem Quadratmeter Wasserfläche können Sie bereits eine blühfähige Seerose halten, schöner sieht es aus, wenn die Wasserfläche zwei bis drei Quadratmeter groß ist. Tropische Seerosen gedeihen in sehr flachem Wasser. Dreißig Zentimeter Wassertiefe ist schon reichlich tief, es reicht auch die Hälfte.
In einem Wintergarten graben Sie natürlich kein Loch um ein Becken auszuheben. Hier muss das Becken in die Höhe wachsen. Das Becken kann gemauert werden oder aus Holzbalken gebaut, je nachdem was zu Ihrem Wintergarten passt. Innen wird es mit Teichfolie ausgekleidet, damit es wasserdicht wird. Sehr wichtig ist der obere Abschluss der Seitenwände. Die Teichfolie wird über die Krone der Seitenwände gezogen und darauf noch eine Lage Seitenwand aufgebaut. Falls Sie mit Ziegeln gearbeitet haben decken Sie die Teichfolie mit Vollziegeln ab, falls Sie mit Holzbalken gearbeitet haben, decken Sie die Folie mit gehobelten Holzbohlen ab. Auf jeden Fall muss es eine Oberfläche sein, die zum Sitzen einlädt, denn es gibt keinen besseren Ort um die Seerosen im Becken zu bewundern. Die maximale Höhe des Beckens beträgt fünfzig Zentimeter, das sind dann zehn Zentimeter für die Höhe des Pflanzgefäßes, dreißig Zentimeter Wasserstand darüber und noch mal zehn Zentimeter für den Abschluss der Mauer. Ein solches Becken mit einer Grundfläche von einem Quadratmeter und einer Höhe von fünfzig Zentimetern hat sogar in einem sehr kleinen Wintergarten Platz. So groß wie unser Vermehrungsbecken auf dem Bild braucht also bei weitem nicht zu sein. Wenn Sie das Becken bauen, dann bedenken Sie, dass Wasser sehr starken Druck ausübt. Auf einem Quadratmeter Grundfläche wirkt je zehn Zentimetern Höhe ein Gewicht von zwei Zentnern auf die Seitenwände ein, sie dürfen also nicht zu dünn sein.
Übrigens gibt es in Gartencentern und Baumärkten auch kleine Fertigbecken, die oberirdisch aufgestellt werden. Eigentlich sind sie für Balkone und Terrassen gedacht, aber sie passen natürlich genauso gut in einen Wintergarten.
Pflege der tropischen Seerosen
Tropische Seerosen brauchen Wassertemperaturen von wenigstens 21° c und viel Sonne, etwa 5 Stunden am Tag. Sie sind also keinesfalls für Halbschatten oder gar Schatten geeignet. Die Art der Pflege hängt sehr davon ab ob Sie die Seerose als Knolle überwintern oder ob Sie sie als einjährige Sommerblume behandeln wollen.
Als Sommerblume kommt die Seerose in ein Gefäß mit 5 – 10 Litern Inhalt. Als Pflanzsubstrat verwenden Sie schwere Gartenerde, am besten mit etwas Lehm. Was auf keinen Fall in der Erde sein darf, sind organische Dünger (also Mist und ähnliches), Torf, Kompost und Rindenmulch. Alle diese Materialen bewirken Fäulnisprozesse, die die Seerose zum Absterben bringen können. Ihre Seerose braucht reichlich Dünger, wenn sie reichlich blühen soll. Der einzig geeignete Dünger ist in diesem Fall ein Mineraldünger, biologische Dünger sind leider Seerosenkiller und überdüngen außerdem das Wasser. Wir verwenden Düngekegel, wie sie zum Beispiel von Osmocote angeboten werden. Hier ist der mineralische Dünger gebunden, und wird nach und nach direkt an die Pflanzenwurzeln abgegeben. Als Start erhält die Seerose bei uns zwei Düngekegel. Tropische Seerosen brauchen sehr viel Dünger, sie müssen bis Mitte September alle zwei Wochen mit einem Düngekegel nachgedüngt werden. So behandelte tropische Seerosen blühen sehr reicht, in der Regel sind immer mehrere Blüten gleichzeitig geöffnet. In Deutschland endet die Blütezeit der tropischen Seerosen wenn die Tage deutlich kürzer als die Nächte werden. Tropische Seerosen als Einjahresblumen zu halten mag zunächst wie Verschwendung erscheinen. Allerdings liegt ihr Preis nicht über dem eines schönen Blumenstraußes, und ihre Blütezeit von drei bis vier Monaten übersteigt die Lebensdauer jeden Blumenstraußes bei weitem!
Möchten Sie die Seerose als Knolle überwintern, dann müssen Sie ihr im Sommer Stress bereiten. Eine Knolle ist die Antwort auf Stresssituation, denn Knollen sind die Überdauerungsorgane der tropischen Seerosen in Krisenzeiten. Stress bedeutet zunächst einmal wenig Dünger und wenig Platz. Die Seerose bekommt kein großes Pflanzgefäß sondern nur einen kleinen 9er Topf (das sind die kleineren Töpfe in den Stauden normalerweise verkauft werden, sie haben etwa 2/3 Liter Inhalt), mit magerer Erde als Substrat. Sie bekommt auch keine großen Düngermengen sondern nur einen halben Düngekegel als Start und danach nichts mehr. So gehaltene Seerosen werden natürlich nicht groß und sie können auch nicht üppig blühen, aber darum geht es hier auch nicht. Ab August werden die Seerosen dann im Becken so hoch gestellt, dass über dem Topf nur noch zwei, drei Zentimeter Wasserstand ist. Spätestens jetzt sollte die Pflanze eine Knolle bilden. Sie können das kontrollieren indem Sie regelmäßig mit den Fingern im Wurzelbereich der Pflanze nach Knollen bohren. Tut sie es nicht, wird die Pflanze Ende August aus dem Topf genommen, alle Erde abgewaschen und die nackte Pflanze wieder ins Becken geworfen. Wenn sie so frei im Wasser treibt, bildet sie meistens eine Knolle.
Knollen von tropischen Seerosen sehen aus wie kleine Kartoffeln. Ihre Größe schwankt zwischen Faust- und Erbsengröße. Die Knollen werden von den Mutterpflanzen getrennt, und kommen dann in feuchten (nicht nassen!) Sand. Wir verwenden zum Aufbewahren Ziplock-Beutel, man kann aber auch luftdicht verschließbare Plastikdosen nehmen. Der Aufbewahrungsort kann dunkel sein, die Temperatur dort zwischen 5 und 15° C liegen. Dachboden oder Keller sind meistens die besten Plätze für die Knollen.
Im März können die Knollen dann wieder angetrieben werden. Dazu füllt man einen 9er Topf zur Hälfte mit Gartenerde und darüber mit reinem Sand (am besten der in dem die Knollen überwintert wurden). Pro Topf wird eine Knolle eingepflanzt, so tief, dass etwa die Hälfte der Knolle aus dem Sand heraus schaut. Die Töpfe kommen in ein beheiztes und beleuchtetes Aquarium in dem sich soviel Wasser befindet dass die Knollen etwa zwei Finger breit von Wasser bedeckt sind. Die Wassertemperatur sollte 25° C betragen. Dort beginnen die Knollen nach einigen Tagen zu treiben. Meist entstehen aus einer Knolle zwei oder sogar drei neue Pflanzen. Wenn eine Jungpflanze vier Schwimmblätter gebildet hat, kann man sie vorsichtig von der Knolle abziehen und separat topfen. Nach acht Wochen, also Anfang Mai, sind die Pflanzen groß genug um ins Seerosenbecken im Wintergarten umzuziehen. Jetzt wird auch deutlich warum sich der Aufwand mit den Knollen lohnt: aus jeder Knolle kann man zwei Pflanzen gewinnen. Eine aus der wieder eine Knolle werden soll, und eine zweite die man optimal versorgen und als Sommerblume mit üppiger Blüte halten kann.
Tropische Seerosen im Garten
Bislang gingen wir davon aus, dass das nur in Weinbaugebieten oder mit zusätzlicher Wasserheizung (z.B. mit einer solarbetriebenen Poolheizung) funktioniert. In warmen Sommern (2003, 2006) gediehen tropische Seerosen bei uns ganz prächtig in Regentonnen ohne jegliche Heizung, aber das schienen mir Ausnahmejahre zu sein. Dann kam das Jahr 2009 und es fanden zum ersten Mal Gartentage in Schloss Kirchheim statt. Als örtlicher Gärtnereibetrieb sollten wir uns auch daran beteiligen. Für uns war als Ausstellungsfläche unter anderem ein großer Brunnen im Eingangsbereich des Schlosses vorgesehen. Ein wunderschönes Becken, aber mit einem riesigen Nachteil: der Brunnen wird mit Quellwasser versorgt und es findet ein konstanter Wasseraustausch statt. Selbst im Sommer liegt die Wassertemperatur im Brunnen bei nur 15° C. Gänzlich ungeeignet für tropische Seerosen. Wir haben uns dann entschieden dort trotzdem tropische Seerosen zu präsentieren und tauschten alle Pflanzen jeden Morgen vor Ausstellungsbeginn aus. Einen Tag würden sie ja wohl durchhalten. Beim Abbau der Ausstellung regnete es und niemand hatte Lust ins kalte Wasser zu steigen und die tropischen Seerosen heraus zu holen. Es regnete die ganze Woche und irgendwann waren die Seerosen vergessen. Nach Wochen kam dann ein Anruf aus dem Schloss: was denn mit den Seerosen sei? Oha, die sind wohl inzwischen vergammelt, dachte ich mir und fragte ob es reicht wenn wir sie am folgenden Tag holen. Die Antwort erstaunte mich: es hat natürlich Zeit, sie blühen ja so schön. Ein paar Tage später standen wir staunend vor dem Brunnen. Die vergessenen tropischen Seerosen blühten tatsächlich alle, trotz Dauerregens und eigentlich viel zu kalten Wassertemperaturen. Gelernt habe ich aus dieser Geschichte, dass tropische Seerosen zwar nicht in kaltem Wasser aufwachsen können, dass es aber durchaus möglich ist ausgewachsene, getopfte Exemplare in kalte Teiche zu transferieren und dort weiter wachsen zu lassen.
Im Freiland ist mit tropischen Seerosen also mehr möglich als wir ursprünglich dachten. Voraussetzung dafür ist eine Vorkultur bei wenigstens 21° C Wassertemperatur während die frisch getopfte Pflanze einwächst. Unsere Kunden haben sich für diese Phase schon einiges einfallen lassen, z.B. kann man den Topf in eine wassergefüllte Mörtelwanne stellen und eine Folienhaube (wie für Tomaten) darüber stülpen. Es ist auch von Vorteil eine robuste Seerosensorte zu wählen. Generell ertragen die blauen Sorten niedrige Temperaturen besser als die mit anderen Farben, vivipare Sorten sind nochmals etwas robuster. Das Becken oder der Teich für die Seerose sollte am sonnigsten und wärmsten Platz des Gartens stehen. Kleine Gefäße sind dabei besser geeignet als große Teiche, denn sie erwärmen sich schneller und die Wassertemperatur wird dort höher. Wenn Sie ein schwarzes Gefäß verwenden, steigt die Wassertemperatur durch die Absorption der Sonneneinstrahlung.
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