- Victoria & Euryale

 

 


 

Diese beiden Gattungen sind zwar keine Seerosen, aber sie gehören zur Familie der Seerosengewächse. Vor allem Victoria wird häufig in botanischen Gärten gehalten, wo sie mit ihren hochrandigen riesigen Schwimmblättern immer eine Attraktion darstellt. Da sie nachts blüht, werden die Gewächshäuser vielfach nachts dem Publikum zugänglich gemacht und das Ereignis wird in der Regel auch in der Presse veröffentlicht. Euryale sieht in etwa wie eine Victoria ohne den auffälligen Rand aus. Ihre Blüte ist weniger spektakulär. Sie stammt aus Asien und wird dort auch als Gemüse angebaut. Victoria ist dagegen in Südamerika beheimatet. 

Victoria amazonica und Victoria cruziana

Die Entdeckungsgeschichte von Victoria ist recht unübersichtlich. Offenbar wurde sie zwar mehrfach entdeckt (zuerst vermutlich 1801 von Tadeáš Haenke) aber es dauerte bis 1832 bis sie von Eduard Poeppig als Euryale amazonica beschrieben wurde. Wie der Name zeigt, glaubte Poeppig, dass es sich um eine Art der altweltlichen Euryale handelte. Fünf Jahre später, 1837, beschrieb John Lindley die Art erneut als Victoria regia und stellte sie damit in die von ihm neu geschaffene Gattung Victoria. Sowohl der Gattungsname Victoria als auch das Epithet regia (‚königlich’) war eine Huldigung an die englische Königin Victoria. Unter diesem Namen ist die Art auch heute noch bekannt, obwohl nach den Regeln der botanischen Nomenklatur dieser Name ungültig ist. Poeppigs Beschreibung ist die ältere, auch wenn er die Pflanze in eine falsche Gattung stellte. Der gültige Name lautet daher Victoria amazonica. 1819 wurde die zweite südamerikanische Victoria von Aime Bonpland in Argentinien entdeckt, aber erst 1840 wurde sie von d’Orbigny offiziell beschrieben und Victoria cruziana benannt. 

Die Benennung nach Königin Victoria war ein geschickter Schachzug von Lindley und sie löste eine heute kaum noch vorstellbare Begeisterung für diese Pflanze aus. Die wohlhabenden Pflanzenliebhaber in Großbritannien überschlugen sich bei dem Versuch diese Pflanze als erstes in ihrem Land erfolgreich zu kultivieren und zur Blüte zu bringen. Es wurde viel Geld darauf verwendet Pflanzen und Samen ins Vereinigte Königreich zu transportieren, aber zunächst blieb der Erfolg aus. Erst 1849 gelang es Sämlinge bis zum Stadium der blühfähigen Pflanze zu bringen. Die Samen wurden in Kew Gardens in London ausgesät und die Sämlinge gingen zum Teil an den Duke of Devonshire, der in Chatsworth für sie ein Gewächshaus bauen ließ. Dort blühte dann 1849 die erste Victoria amazonica in Europa. Eine der ersten Blüten wurde geschnitten und Königin Victoria übergeben. Im gleichen Jahr blühten dann noch Pflanzen in Syon House und Kew Gardens. Nicht nur die Blüten begeisterten die Menschen sondern noch viel mehr die Blätter mit ihren markanten Rippen. Joseph Paxton nahm das Blatt der Victoria amazonica zum Vorbild für seine Konstruktion des Crystal Palace zur Weltausstellung 1851. Die Weltausstellung wurde dann durch Königin Victoria eröffnet in einem Gebäude, das seine Inspiration aus einer nach ihr benannten Pflanze zog. 

Seit dieser Zeit ist Victoria zum festen Bestandteil jedes größeren botanischen Gartens geworden. Da auch Victoria cruziana inzwischen in Europa kultiviert wurde und sich die beiden Arten leicht untereinander kreuzen, tauchten nach kurzer Zeit bereits die ersten Hybriden auf. Importe von in der Wildnis gesammeltem Saatgut fanden nicht mehr statt und als Ergebnis starben die reinrassigen Arten in Europa aus. Übrig blieben nur noch Hybriden mit unklarem Stammbaum. An dieser Situation änderte sich erst etwas durch die Initiative von Kit und Ben Knotts aus Florida. Ihr Freund Rich Sacher unternahm 1998 eine Reise nach Amazonien und brachte von dort reinerbigen Samen von Victoria amazonica mit der von Kit und Ben in Florida ausgesät und kontrolliert weitervermehrt wurde. Zwei weitere Expeditionen 2001 und 2002 brachten reinerbigen Samen von Victoria cruziana aus Paraguay und Argentinien. Auch dieser Samen ging an Kit und Ben Knotts und wurde von ihnen kontrolliert weitervermehrt. Aus dieser Privatinitiative wurde dann ein Programm das alle botanischen Gärten der Welt mit reinerbigem Saatgut versorgt. Auch in der Kultur der Pflanzen haben die beiden einen Meilenstein gesetzt und das Wissen darüber enorm vermehrt. Neben der Vermehrung der beiden reinen Arten führten sie auch gezielte Kreuzung durch. 1962 wurde bereits zum ersten Mal die Kreuzung V. cruziana x V. amazonica durchgeführt und das Ergebnis 'Longwood Hybrid' benannt. Diese Kreuzung wiederholten Kit und Ben erfolgreich. Sie führten aber auch die umgekehrte Kreuzung (V. cruziana x V. amazonica) durch und erhielten so die Sorte 'Adventure'. Indem sie die beiden Primärhybriden jeweils mit einer der Arten kreuzten kamen noch vier weitere Hybriden dazu:

 

'Atlantis' (V. 'Adventure' x V. amazonica)

'Columbia' (V. 'Adventure' x V. cruziana)

'Challenger' (V. 'Longwood Hybrid' x V. cruziana)

'Discovery' (V. 'Longwood Hybrid' x V. amazonica)

 

Wie man aus den Namen der Hybriden erraten kann, wohnen Kit und Ben gleich neben Cape Canaveral. 

Victoria benötigt warmes Wasser zum Gedeihen, in einem ungeheizten Gartenteich kann man sie in unseren Breiten leider nicht kultivieren. Die Temperaturansprüche von Victoria amazonica sind dabei deutlich höher als die von Victoria cruziana. In den botanischen Gärten wird Victoria als einjährige Pflanze gezogen. Bei einer Aussaat im März entwickelt die Pflanze ihre gigantische Blattmasse in der kurzen Zeit bis zum Sommer und beginnt dann zu blühen. Jungpflanzen von Victoria cruziana und Victoria 'Longwood Hybrid' haben wir gelegentlich im Angebot.

Euryale ferox 

Ihr deutscher Name lautet Stachelseerose und sie ist die nächste Verwandte der südamerikanischen Gattung Victoria. In Asien kommt sie in vielen Regionen vor und wird dort auch als Nahrungsmittel angebaut. Ihre Temperaturansprüche sind deutlich geringer als die der beiden Victoria-Arten. In nördlichen Regionen wächst sie als einjährige Pflanze und sät sich jeden Frühling neu aus, in wärmeren Regionen ist sie eine kurzlebige Pflanze die zwei oder drei Jahre alt werden kann. Das nördlichste bekannte Vorkommen dieser Pflanze liegt im Chanka-See auf der Grenze zwischen China und Russland. Wir haben sie erfolgreich in einem Becken im ungeheizten Foliengewächshaus gehalten wo sie Samen ansetzte und sich im folgenden Jahr von selbst wieder aussäte. In manchen Regionen gilt sie als Unkraut das in der Lage ist einen kleinen See komplett zu überwuchern. 

Eine Haltung in Mitteleuropa ist in einem guten Sommer oder im Weinbauklima im Freiland durchaus möglich. In einem Wintergarten oder Gewächshaus geht es nur in sehr kalten Jahren nicht. Dennoch ist die Pflanze kaum in Privatgärten zu finden, denn ihre fehlen zwei spektakuläre Eigenheiten der Victoria: ihr Blätter werden zwar auch riesig (Durchmesser über einem Meter sind das Übliche), aber sie besitzen keinen aufgestellten Rand. Ihre Blüten sind zwar schön violett, aber sie sind verhältnismäßig klein (etwa 5 cm Durchmesser) und öffnen sich oft unter Wasser. Wenn man es dennoch mit Euryale versuchen möchte, muss man im März frisches Saatgut im Aquarium aussäen und die Jungpflanze im Juni an den endgültigen Ort umpflanzen. Auch von Euryale ferox haben wir gelegentlich Jungpflanzen im Angebot. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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